Wird der Mensch noch gebraucht?

In einer Zeit, in der das tägliche Bankgeschäft vor unbestrittenen Herausforderungen steht, ist die Nachfrage nach „Young Professionals“ groß. Gemeinsam gilt es, Lösungen für moderne Kundenanforderungen zu finden und Innovationen voranzutreiben. In diesem Beitrag möchte ich meine eigene Perspektive offenlegen – die Perspektive eines Menschen, der mitten im New-Work-Zeitalter in das Berufsleben eingestiegen ist. Die Phrase „gestern war heute schon morgen“ soll verdeutlichen, wie schnell sich unsere Arbeitswelt und die damit verbundenen Empfindungen der Menschen in Unternehmen entwickeln.


Wenn flache Hierarchien, flexible Arbeitszeitmodelle und Möglichkeiten zur (digitalen) Kollaboration bereits zum Standard gehören: Was kommt als Nächstes?

Es gibt Studien darüber, welche Top Skills in Zukunft gefragt sein werden. Und obwohl die Skills für 2015 und 2020 – wie in der Grafik zu sehen – ziemlich ähnlich erscheinen, fällt doch eines auf: Die notwendigen Fähigkeiten für eine erfolgreiche Karriere transformieren sich immer mehr dahingehend, den Menschen von künstlicher Intelligenz zu unterscheiden. Aspekte wie Serviceorientierung und Qualitätskontrolle werden zwar keinesfalls weniger wichtig, sie können aber zunehmend durch automatisierte Prozesse und Technologien sichergestellt werden. Wir als Menschen müssen lernen, menschlicher zu werden, und wir sollten zugleich kreatives und kritisches Denken fördern. Und: Entscheidend für den Erfolg ist ohne Frage die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen.

Wird der Mensch in Zukunft überhaupt noch gebraucht?

Definitiv ja! Man darf bei der Digitalisierung nicht vergessen, dass es sich um einen Prozess handelt, der bereits seit rund 25 Jahren läuft und noch lange nicht abgeschlossen ist. Jede Generation trägt aktiv zum Wandel bei und bereitet die Voraussetzungen für die Zukunft der Arbeit der nächsten Generation. Die Arbeitskraft und die Bereitschaft, mit Veränderungen positiv umzugehen, kommen uns allen zugute und bilden die Substanz für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg. Das Weltwirtschaftsforum geht beispielsweise davon aus, dass die Digitalisierung bis 2022 zwar 75 Millionen Jobs weltweit kosten wird – dafür aber 133 Millionen neue schafft. Der Zukunftsforscher Gerd Leonhard prognostiziert: Deutlich mehr als die Hälfte der Berufe, die es im Jahr 2030 geben wird, ist noch nicht erfunden.

Wie wünscht sich die junge Generation ihr zukünftiges Berufsleben?

Ich mit meinen 27 Jahren kann sagen: Der perfekte Job ist für mich individuell, erfüllend, selbstbestimmt und maximal flexibel. Dass diese Ansprüche für einige vielleicht etwas befremdlich oder gar überzogen wirken, ist mir bewusst.

Generationen, die durch traditionellere Werte wie Sicherheit und vordefinierte Handlungsrahmen geprägt sind, überzeuge ich gerne von den Vorteilen dieser Erwartungshaltung. Wenn man die Möglichkeit hat, von jedem Ort der Welt zu jeder Zeit an seinen Projekten zu arbeiten, bietet das maximale Flexibilität. Diese Freiheit wird einem in der Regel nur eingeräumt, wenn davon auszugehen ist, dass die Ergebnisse nicht darunter leiden. Sofern ein Job erfüllend ist und man selbst den Zweck dahinter erkennt, steigen automatisch die Bereitschaft und Motivation, vollen Einsatz zu leisten. Das gilt für Teams und Individuen gleichermaßen. Im Sinne des Arbeitgebers sollte neben der Leistungsbereitschaft selbstverständlich auch die Qualität der Arbeit überzeugen. Sofern der Job individuell auf die eigenen Fähigkeiten zugeschnitten ist, ist dies in der Regel gewährleistet, und die Voraussetzungen für Bestleistungen sind geschaffen. Jetzt kommt der Knaller: Zur Selbstbestimmung gehört auch die freie Einteilung von Arbeitszeit und Urlaubstagen – und ein Freiraum für ein „Sabbatical“ Im Sinne der bekannten Work-Life-Balance sollten bei aller Leistungsbereitschaft der Lebensgenuss und vor allem die Gesundheit nicht zu kurz kommen.
Deshalb ist es wichtig, dass Arbeitgeber künftig noch stärke auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter achten, denn bleibt der Arbeitnehmer motiviert und gesund, profitiert auch der Arbeitgeber davon.

 

Wie sieht die optimale Arbeitsumgebung aus?

Der Open Space im DG VERLAG kommt meiner Idealvorstellung schon sehr nahe. Die moderne Arbeitsumgebung ist mit allen Geräten ausgestattet, die man sich wünscht. Kommunikation ist über alle Hierarchieebenen möglich, und es gibt keine Einzelbüros mehr. Meetingräume mit Video-Konferenzausstattung, Magnetwänden sowie extravagantem Mobiliar Denkt weiter: der Nachwuchsförderkreis des DG VERLAGES 2018/2019 ermöglichen ortsunabhängige Zusammenarbeit und kreatives Arbeiten in einer angenehmen Atmosphäre. Neben dem klassischen Büro gibt es auch das Home Office. Das nutze ich sehr gerne zum konzeptionellen Arbeiten und genieße die Möglichkeit der freien Zeiteinteilung.

Weiterbilden heißt weiterdenken

Der Nachwuchsförderkreis (NFK) ist ein bereits zum dritten Mal stattfindendes, außergewöhnliches Weiterbildungsangebot des DG VERLAGES. Das anderthalbjährige Programm richtet sich mit einem bunten Mix aus Projektarbeiten, Seminarbesuchen und Networking-Events an junge Kolleginnen und Kollegen, die #weiterdenken möchten. So entstehen für die Teilnehmenden und in den publizierten Ergebnissen wertvolle „Blicke über den Tellerrand".

Braucht man überhaupt noch Führungskräfte?

Heute sind Begriffe wie agile Teams, Lean Management und Startup-Spirit omnipräsent. Die Erkenntnis bei den Unternehmen, auf die aktuellen Herausforderungen und die Veränderungen einzugehen, ist zumindest da. An der erfolgreichen Umsetzung hapert es aber häufig noch.

Ich denke, dass Führungskräfte gebraucht werden, die das Change Management authentisch und fundiert in die Organisation tragen, Menschen unterstützen und die moderne Unternehmenskultur fördern. Um dem Spagat zwischen den Forderungen der Mitarbeiter nach mehr Selbstbestimmung und den Visionen und Zielen der Führungskräfte gerecht zu werden, braucht man Führungskräfte, die es verstehen, emphatisch zu führen. Das Zeitalter von „Boss-Gehabe“ ist vorbei. Die Zukunft der Arbeit entwickelt sich dahin, dass Führungskräfte als Leader vorangehen sollten und noch viel stärker als bisher icht nur durch Worte, sondern
durch Taten überzeugen.