Bereit für das Büro einer neuen Ära

Die Soennecken eG wurde – wenige Jahre nach dem DG VERLAG – als Einkaufsorganisation von Papierwaren- und Schreibwarenhandlungen gegründet. Beide entstammen also derselben Zeit und wurden in ähnlichem Geiste „geboren“. Auch dies ist ein guter Grund für die jahrelange tiefe Partnerschaft unserer Genossenschaften. Wir sind froh und stolz, die genossenschaftliche Bankenorganisation über den DG VERLAG beliefern und den DG VERLAG zu unseren Mitgliedern zählen zu dürfen. Wir haben aber nicht nur gemeinsame Wurzeln, sondern wir stehen auch vor vergleichbaren Herausforderungen. Die ausgezeichnete Marktstellung der beiden Genossenschaften ist dafür eine gute Basis. Die Zukunft müssen und werden wir uns aber neu erarbeiten müssen.

Bürobedarf, neu gedacht


Mitglieder, Produkte, Märkte und Aufgaben der Soennecken eG haben sich in den vergangenen 100 Jahren – wie sollte es auch anders sein – erheblich verändert. Heute sind wir gemeinsam mit unseren Mitgliedern Problemlöser rund ums Büro. Die Herausforderung ist offensichtlich: Die Digitalisierung macht Produkte, die an das Papier gebunden sind – zum Beispiel Ordner, Locher, Heftgeräte, aber auch Aktenschränke und Fotokopiergeräte – auf Sicht entbehrlich. Es geht also darum, Bürobedarf neu zu definieren. Das Büro wird auch in Zukunft ein wichtiger Ort für die Leistungserstellung in Unternehmen sein. Dieser Ort wird sich aber erheblich verändern. Die Kernfunktion des Büros wird sich vom Ort für „Sachbearbeitung“ zum Ort für soziale Interaktion und Kommunikation wandeln. Nicht mehr die Arbeit an sich – fast alles kann mittlerweile über mobiles Arbeiten erledigt werden –, sondern der soziale Austausch von Menschen über die gemeinsamen Aufgaben wird in den Mittelpunkt rücken. Insofern wird das Büro die Keimzelle des Unternehmens als soziales System. Ein soziales System ist nicht vollständig virtualisierbar. Ebenso wenig wie Facebook-Freundschaften echte Freundschaften ersetzen, machen virtuelle Besprechungsformate und das Teilen von Dokumenten das physische Beieinandersein in einem Unternehmen überflüssig. Ganz im Gegenteil: Das gemeinsame Arbeiten in einem Büro bekommt eine neue Qualität.

Im Einkauf liegt der Segen. Wirklich?


Unsere Wurzeln liegen im gemeinsamen Einkauf. Gute Beschaffungskonditionen sind notwendig, aber bei weitem nicht hinreichend für unternehmerischen Erfolg. Der oben beschriebene Wandel unseres Marktes macht dies deutlich: In einem schrumpfenden Markt sind bessere Einkaufspreise nicht die Lösung. Es geht immer mehr darum, neue Umsatzträger, neue Kundenzielgruppen und den Bedarfen und Bedürfnissen der Kunden entsprechende zukunftsfähige Angebote online und offline bereitzustellen. Insofern verstehen wir uns heute als eine Organisation, deren Aufgabe es ist, gemeinsam mit den Mitgliedern Unternehmensentwicklung zu betreiben und den notwendigen Wandel nicht nur im Hintergrund zu unterstützen, sondern zu forcieren, voranzutreiben und vorzuleben.

Wenn man dem Eingangsgedanken folgt, dass sich Büros von einem Ort der tayloristischen Sachbearbeitung zum Ort der sozialen Interaktion wandeln, wird auch schnell klar, dass wir uns gar nicht in einem schrumpfenden Markt befinden. Ganz im Gegenteil: Bürolandschaften werden sich erheblich verändern. Diese müssen geplant werden, müssen eingerichtet, müssen mit IT-Infrastruktur versorgt werden, brauchen gastronomische Konzepte und vieles mehr. Der Investitionsbedarf ist enorm, denn Büroarbeit verharrt noch allzu oft in den Strukturen des vergangenen Jahrhunderts. Der Markt schrumpft also nur, wenn man dabei noch an Papier und Ordner denkt. Das Schrumpfen findet in unseren Köpfen statt, nicht beim Kunden. Es gilt, den Markt neu zu definieren.

Genossenschaft – Chance oder Ballast


Ein afrikanisches Sprichwort besagt: „Wer schnell ankommen will, muss alleine gehen. Wer weit kommen will, muss gemeinsam gehen.“ Anhand des Bildes einer Karawane in der Wüste wird dies schnell deutlich. Eine Karawane ist immer recht langsam, einzelne, besonders leistungsfähige Menschen könnten durchaus schnell vorangehen. Aber was machen sie, wenn die Nacht kommt, das Wasser knapp wird, Unvorhergesehenes geschieht und sie Schutz brauchen? Die Finanzmarktkrise 2008/2009 und die Coronakrise 2020: Die beiden großen Wirtschaftskrisen dieses Jahrhunderts machen deutlich, dass viele, die besonders schnell sein wollten – also schnell reich werden wollten – auch besonders schnell notleidend wurden und dann absurderweise gerne die Hilfe der „Karawane“ in Anspruch nahmen. Dies ist kein Plädoyer für Langsamkeit. Unser Fundament und unsere Zukunft bilden die Besonnenen, die ihre Unternehmen nachhaltig entwickeln und dabei nicht nur die Interessen der Kapitalseite, sondern auch die der Beschäftigten, der Lieferanten, der Umwelt und des Gemeinwesens verantwortlich mitdenken. Es bleibt zu hoffen, dass der Kunde dies sieht und honoriert. Ziel der Soennecken eG ist es, gemeinsam mit ihren Mitgliedern weit zu kommen. Den Sprint überlassen wir anderen, unsere Domäne ist die Langstrecke.

Solidarität – Sozialromantik oder Zukunftsmodell?


Gemeinschaft ist kein Selbstzweck. Sie braucht ein Ziel ebenso wie eine innere Ordnung, Regeln und Struktur. Sie muss sich davor schützen, ausgenutzt zu werden oder sich selbst zu überfordern. Jeder muss seinen Beitrag leisten. Und wer dazu nicht bereit ist, kann nicht dazugehören. Das erfordert Führung. Denn nur wenn das konsequent gelebt wird, können wir denjenigen helfen, die unverschuldet in Not geraten sind. Wir verstehen unsere Genossenschaft daher als Entwicklungsgemeinschaft. Es geht darum, Zukunft zu gestalten; es geht nicht darum, Bestehendes zu verwalten oder Einzelinteressen zu sichern. Der Satz „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“ ist schlichtweg falsch. Gemeinschaft kann mehr sein als die Summe der Einzelinteressen. In diesem Sinne ist die genossenschaftliche Idee aktueller denn je.

Friedrich Soennecken, der Namensgeber unserer Genossenschaft, hat den Aktenordner und den Locher erfunden. Er hat damals der Welt etwas Neues gegeben und war damit epochenbildend. Doch diese Epoche ist bald vorbei. Es kommt eine neue Zeit. Und die ist weder besser noch schlechter, sie ist einfach nur anders. Unsere Aufgabe ist es, einen maßgeblichen Beitrag dazu zu leisten, dass wir es gemeinsam mit unseren Mitgliedern in diese neue Zeit schaffen. Wir gratulieren dem DG VERLAG zu seinem herausragenden Jubiläum, danken für die langjährige, enge und vertrauensvolle Partnerschaft und freuen uns darauf, die kommende Epoche gemeinsam zu gestalten.