Wie werden wir zukünftig bezahlen? Gibt es auch morgen noch einen Platz für die Karte?

Die Digitalisierung des Zahlprozesses schreitet unaufhörlich voran. Wenn es dabei um den Blick in die Zukunft geht, dann tauchen immer wieder die gleichen Begriffe auf: Bezahlen mit dem Smartphone, Instant Payments, P2P-Zahlungen und auch In-App Payments. Dabei wird das eigentliche Bezahlen virtueller, mobiler oder eingebettet in Anwendungen – und damit isoliert betrachtet immer weniger wahrnehmbar. Doch bei allen Anstrengungen in Richtung Digitalisierung, sagt Franz-J. Köllner aus dem Vorstand des DG VERLAGES, muss der Kunde immer im Fokus bleiben.

 

Er – oder sie – will bequem bezahlen, schnell und sicher. Er will jederzeit mobil und flexibel bleiben. Er bleibt seinen Gewohnheiten treu, allerdings nur solange er nichts findet, das ihm mehr Vorteile bringt als das Vorhandene. Erscheint ihm etwas bequemer, schneller, sicherer, wird er wechseln – egal, welcher Anbieter und welche Technik dahintersteckt. Natürlich ist ein solches Bild der Kundin oder des Kunden plakativ, vielleicht derzeit noch zu plakativ. Aber wagt man sich an eine Einschätzung der zukünftigen Entwicklung, so sind die geänderten Einkaufs- und Zahlungsgewohnheiten der Kunden zu berücksichtigen. Hier sind vor allem folgende Tendenzen erkennbar:

  1. E-Commerce- und POS-Systeme wachsen zusammen.Die Online-Erfahrungen werden dabei auf den Point of Sale übertragen. Oder anders formuliert: Die bisherigen Grenzen der Einkaufswelten fallen.
  2. Integrierte Zahlungen: Das In-App Payment, aber auch perspektivisch das Bezahlen aus dem Auto, das sogenannte In-Car Payment, eröffnen neue Einkaufsprozesse.
  3. Die Kombination des Bezahlens mit Mehrwerten für Kunden und für den Handel sowie die Nutzung der dabei gewonnenen Datenbasis werden immer wichtiger und zunehmend wettbewerbsdifferenzierend sein.

Bei all diesen Perspektiven bin ich überzeugt: Am Ende setzt sich beim Kunden das durch, was die meisten Vorteile bringt. Deshalb ist es für uns als zentralen Dienstleister für die Genossenschaftsbanken entscheidend, den Blick immer wieder ganzheitlich auf die Kunden zu lenken und die Angebote unserer Wettbewerber zu analysieren. Zugleich müssen wir stetig und zuverlässig auf neue Anforderungen der Regulatorik reagieren und auf die Möglichkeiten, die die neuen Technologien bieten.

 

Marktposition bedroht

Für die etablierten Banken ist der Zahlungsverkehr mit seinem Anteil am Provisionsüberschuss eine wichtige Ertragssäule und ein zentraler Anker der Kundenbeziehung. Beides gilt es zu verteidigen. Dabei haben insbesondere die Genossenschaftsbanken einen entscheidenden Vorteil: die Nähe zu den Menschen. Rund 98 Prozent der Kunden haben ein Konto bei einer Bank; dabei ist und bleibt die girocard neben dem Bargeld das beliebteste Zahlungsmittel und verzeichnet Zuwächse bei Transaktionen und Umsatz. Doch auf diesem Vorsprung kann man sich nicht ausruhen, denn die Welt des Bezahlens verändert sich rasant. Es ist eine Veränderung, die kontinuierlich an Dynamik gewinnt. Dies gilt insbesondere für die Wettbewerbssituation: So gibt es immer neue Angebote von FinTech-Unternehmen, die die Banken im Geschäftsfeld Zahlungsverkehr attackieren. Ausgehend von Komfort und Schnelligkeit, werden Lösungen und Services angeboten, die die veränderten Bedürfnisse der Kunden bedienen und die Rolle der Bank in der Wahrnehmung zurückdrängen. Noch bedrohlicher aber sind die Technologie- und Internet-Giganten, die – durch die zunehmende Digitalisierung befördert – den Zahlungsverkehr für sich entdeckt haben. So liefert PSD2 den großen digitalen Playern die Möglichkeit, Marktplätze für Finanzdienstleistungen auf der Grundlage von Kontoinformationsdiensten aufzubauen. Diese Bedrohung wird noch dadurch v stärkt, dass diese BigTechs mit den Payment- Services keine direkten Monetarisierungsziele verfolgen. Sie streben stattdessen eine Erhöhung der Vernetzung an und eine Abschöpfung der Daten, die bei Nutzung ihrer Dienste entstehen. Mit dieser Strategie versuchen sie, die Kundenschnittstelle zu besetzen.


Physische Karten

Vor dem Hintergrund dieses sich wandelnden Umfeldes stellt sich die Frage, ob es im System der Zukunft überhaupt noch einen Platz für die Karte gibt. Meine persönliche Einschätzung ist, dass bei zukünftigen Verfahren, selbst wenn diese auf neuer technischer Basis etwa als Instant-Überweisung fußen, die Karte als bewährtes und dem Kunden vertrautes Medium auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird. Dabei ist es unerheblich, in welchem Formfaktor die Karte zur Authentifikation oder als Zahlungsauslöseinstrument eingesetzt wird. Aber selbst die bekannte Plastikkarte hat sich über die Jahre kontinuierlich weiterentwickelt. Insbesondere Sicherheitsanforderungen an die chipbasierten Verfahren haben zu entscheidenden Evolutionsschritten geführt, die wesentlich zu Akzeptanz auf der Kunden- und Händlerseite beigetragen haben. So hat der letzte Evolutionsschritt, verbunden mit der Einführung des kontaktlosen Bezahlens auf Basis der NFC-Technologie, durch den Zugewinn an Schnelligkeit und Bequemlichkeit zu einem Akzeptanzschub geführt. „Kontaktlos“ bringt im Ergebnis Kunden dazu, ihre Karte häufiger zu nutzen, besonders in Bereichen, in denen bislang Bar- und Kleinbeträge dominierten.

Für die Kartenzahlung braucht man allerdings das genormte Format von 85,60 x 53,98 Millimeter einer Plastikkarte gar nicht. Technisch ist allein der Chip für das Bezahlen notwendig, und so bietet der DG VERLAG seit Dezember 2019 die girocard auch zur Aufnahme in Schlüsselanhängern, speziellen Uhren und Armbändern an. Mit solchen „Wearables“ lässt sich bei Kunden und Händlern große Aufmerksamkeit erzielen, und der Einsatz in diversen Trägermedien bietet den Banken eine breite Möglichkeit für Marketingaktivitäten.

Und dann ist da noch der Kundenbindungsfaktor. Debit- und Kreditkarten sowie deren Gestaltung spielen, wenn sie eingebunden sind in den Markenauftritt der Bank, eine wichtige Rolle in der Kunde-Bank-Beziehung. Design und Leistung der Karte sind bei jedem Bezahlvorgang im Blick der Kunden. Neue Materialien wie edel wirkendes Metall oder umweltfreundlicher Biokunststoff machen Karten für bestimmte Kunden besonders attraktiv. Und so festigt sich mit der Präferenz für die jeweilige Karte auch die Treue des Kunden zu seiner Bank. Daher ist es als Bank wichtig, um den Kartensteckplatz im Portemonnaie des Kunden zu kämpfen. Dieser Wirkzusammenhang ist besonders ausgeprägt, wenn die Karten auch in Mehrwert- oder Loyalitätsprogrammen eingesetzt werden – etwa die goldene VR-BankCard Plus, die nach dem Relaunch als „MeinPlus“ dem Kunden eine neue, breite Vorteilswelt eröffnet.

 

„Die Karte als bewährtes und dem Kunden vertrautes Medium wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen.“

Digitale Karten

Aber nicht nur physisch, sondern auch digital haben die Genossenschaftsbanken alle Karten in der Hand. So hatte es die Genossenschaftliche FinanzGruppe als erste Bankengruppe in Deutschland geschafft, im August 2018 ihren Kunden das mobile Bezahlen über sämtliche ihrer Kartenprodukte zu ermöglichen. Zu Beginn des Marktstarts wurden NFC-fähige Android-Smartphones unterstützt, seit Frühjahr 2020 können auch mit Apple Pay iOS-Endgeräte genutzt werden. Erfreulich ist, dass die Anzahl der teilnehmenden Banken und die Bestellungen an digitalen Karten kontinuierlich ansteigen. Ebendiese digitalen Karten ermöglichen weitergehende technische Innovationen und gesteigerten Bedienungskomfort, die mit der physischen Karte nicht umsetzbar wären – etwa die Authentifikation mittels biometrischer Merkmale über das Smartphone oder bei App-Zahlungen. Die Sicherheitstechnologie der digitalen Karten für die Android Smartphones stellt der DG VERLAG bereit. Bei dieser als Host Card Emulation, kurz HCE, bezeichneten Technologie bleibt ein Teil der Kartendaten auf dem abgesicherten digitalen Kartenpersonalisierungssystem, während ein anderer Teil die Banking-App ergänzt. Zum eigentlichen Bezahlen werden verschlüsselte Einmal-Token erzeugt, die sich der Kunde nach Verbrauch aus den Systemen des DG VERLAGES nachladen muss. Mit dem inzwischen breiten Angebot an digitalen Karten können die Genossenschaftsbanken sich gut im Wettbewerb behaupten und haben die Chance, ihren Kunden eine s wohl innovative als auch prestigeträchtige Bezahlmöglichkeit anzubieten. Für den DG VERLAG war und ist es nicht nur ein ambitioniertes Entwicklungsprojekt, sondern aus Unternehmenssicht auch eine gelungene Transformation. Der DG VERLAG agiert als Token-Provider, der auch während der Kartenlaufzeit Serviceleistungen erbringt und damit für das Unternehmen eine Wertschöpfung generiert.


Zukunft mitgestalten

Wie bereits eingangs erwähnt: Wir wissen, dass Menschen gern ihren Gewohnheiten treu bleiben. Sollen sie etwas ändern, brauchen sie einen persönlichen Vorteil. Auch heute ist Bargeld – bei aller Diskussion um die Abschaffung – in Deutschland noch ausgesprochen beliebt, und es wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Genau wie die physische Karte, die für viele Menschen neben allen digitalen Lösungen noch lange b vorzugtes Zahlungsmittel bleiben wird. Gleichzeitig erkennen wir, dass es manchmal e ner Krise bedarf, um eine Änderung der Zahlungsgewohnheiten bei den Kunden, aber auch die nachhaltige Akzeptanz bestimmter Zahlungsprozesse im Handel zu befördern. So wird das Zahlen mit der kontaktlosen und mit der digitalen Karte am Point of Sale in der Coronakrise zum Bezahlmedium der Wahl, und mit der Erhöhung der Limite erweitern und forcieren die Banken den Einsatz. Der DG VERLAG wie auch die Partner in der Genossenschaftlichen FinanzGruppe arbeiten kontinuierlich und intensiv daran, dass entsprechende Innovationen und Anpassungen in den Systemen umgesetzt werden und die kartengestützten Bezahlverfahren allen technischen, regulatorischen und Sicherheitsansprüchen genügen. Dabei unterstützen die Karten- und IT-Experten des DG VERLAGES bei der Erstellung der technischen Spezifikationen, definieren die Sicherheitskonzepte, koordinieren die Test- und Freigabeprozesse und implementieren die Anpassung der Personalisierungsvorgaben für die Raiffeisendruckerei, den konzerneigenen Kartenproduzenten. Letztendlich werden wir als Genossenschaftliche FinanzGruppe mit den Karten – analog oder digital – und dem Zahlungsverkehr insgesamt auf der Erfolgsspur bleiben, wenn wir mit Blick auf die Zukunft immer einen Schritt weiterdenken und den Kundenbedarf aus einer ganzheitlichen Perspektive berücksichtigen. Für die notwendigen Weiterentwicklungen brauchen wir Mut – aber auch Ausda er, denn die Digitalisierung des Bezahlens ist ein Marathon. Und wir vom DG VERLAG haben den Anspruch, ganz weit vorne mitzulaufen.